Beispiele für Manipulationen in Medien

 

Methode der Stapelung unbewiesener Vorwürfe

„... die inzwischen gängige Manipulationsmethode, ungeklärte Vorgänge hintereinander zu reihen und damit aus dreimal „Ungeklärt“ einmal „Geklärt“ zu machen. Auf diese Manipulationsmethode wird noch einmal gesondert hinzuweisen sein. Sie ist inzwischen eine gängige Methode geworden.“ 
Siehe in Albrecht Müller: Scharfmacher Deutschland in Punkt 2. 
Bei diesem Beispiel sind es Politiker, die diese Manipulationsmethode gegen Russland anwenden.

 

Methode der Verklammerung

Von Verklammerung spricht man, wenn in einem Artikel ein bekannter Spinner oder Bösewicht oder eine negativ besetzten Gruppe in einen Zusammenhang gestellt wird mit einer seriösen Person oder einem wichtige Ereignis, das vom Mainstream aber abgelehnt und in ein ungünstiges Licht gestellt werden soll.  

Henry Mattheß: Bericht vom Schweigemarsch in Berlin – und was die Medien daraus gemacht haben

Jens Berger: Wendler, Hildmann, Naidoo und Co. – Nebelkerzen zur Einengung des Debattenraums

 

Methode der Verschleierung

Wenn Fakten oder Zusammenhänge, die zum Verständnis einer Situation, eines Ereignisses notwendig wären, unterschlagen oder in einen anderen Zusammenhang gestellt werden, weil ein richtiges Verständnis nicht erwünscht ist. 

Bräutigam/Klinkhammer: Das Lächeln der Killer. Unter dem Beifall der ARD-Tagesschau ließ US-Präsident Trump einen iranischen General ermorden und betreibt gefährliche Kriegspolitik.

Ausführlich, im Detail, führen Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkahmmer vor, wie die Tagesschau den Mord an dem iranischen General Kassem Soleimani und die Rolle Deutschlands an dem Verbrechen propagandistisch verschleiert. Der Artikel ist als ganzer auch deshalb lesenswert, weil er über die Fakten in dem Zusammenhang aufklärt.

US-Präsident Trump ließ den iranischen General Kassem Soleimani per Drohnenbeschuss ermorden. Deutschland trägt Mitschuld daran, dass das Attentat gelang: Die „MQ9-Reaper“ wurde über die US-Relaisstation in Ramstein/Rheinland-Pfalz ferngesteuert (1). Das ist bei weitem nicht der einzige Umstand, den die Tagesschau der Öffentlichkeit vorenthielt. Der Großteil der Bundeswehrsoldaten im Irak wurde gerade noch rechtzeitig abgezogen, bevor die Regierung in Bagdad unseren „Ausbildungsunterstützern“ schmählich die Türe weist. Das Kabinett Merkel und seine journalistischen Wasserträger haben nun alle Hände voll zu tun, um zu kaschieren, was jetzt Sache ist. Beispiel: Mindestens eine Viertelmilliarde Euro sind dank des imperialistischen Abenteurertums in den Sand gesetzt (2). Am schönen Bild, das Tagesschau & Co. über das wüste Treiben der Weltmacht USA und ihrer Vasallen im Nahen und Mittleren Osten malten, stimmt eben fast nichts.

Um mit Aktuellem zu beginnen:
„Als Reaktion auf die anhaltenden Spannungen im Golf will die Bundeswehr Soldatinnen und Soldaten aus dem Irak verlegen. Das teilten Verteidigungs- und Außenministerium dem Bundestag in einem Schreiben mit,“

behauptet die Tagesschau um 1.30 Uhr am 7. Januar (3) und vermittelt damit den Eindruck, die Regierung handle aus freien Stücken. Da war der kommerzielle Sender n-tv schon näher an der Wahrheit:

„Der Irak beschließt, dass alle ausländischen Soldaten das Land verlassen sollen — was gravierende Folgen für die deutschen Truppen vor Ort haben dürfte. Die Bundeswehr bereitet sich schon auf ein abruptes Ende ihrer Ausbildungsmission vor“ (4).

Zum besseren Verstehen des außenpolitischen Desasters trägt diese Darstellung allerdings auch nicht viel bei. Dazu muss man weiter zurückschauen. 

Lug und Trug von Anfang an
Formell beschlossen wurde das Bundeswehrmandat vom dritten Kabinett Merkel mit den Ministern Walter Steinmeier (Außenamt) und Ursula von der Leyen (Verteidigung) am 29. Januar 2015 (siehe Anmerkung 2). Es wird heute — nachträglich und zur Tarnung der faktischen Sauerei — als „Ausbildungsunterstützung der irakischen Armee“ ausgegeben, hatte ursprünglich aber die militärische Unterstützung des separatistischen Kurdenclans Barsani im Nordirak zum Ziel und unterstützte dessen Bestreben, die ölreiche Region vom restlichen Irak abzuspalten und seiner Herrschaft zu unterwerfen (5). Das Ganze war eingebettet in hegemoniale US-amerikanische Pläne zur Umgestaltung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens (6).

Für den Einsatz der Bundeswehr im Nordirak gab es kein UNO-Mandat, bemerkt sogar die transatlantisch genormte Wikipedia.

(...)

Geschäfte mit geklautem Öl
Bundesregierung und Parlament brachen nicht nur die deutsche Selbstverpflichtung, keine Waffen in Spannungsgebiete zu liefern. Sie verstießen auch gegen eine entsprechende Übereinkunft der Europäischen Union (10). Objektiv diente das Ganze auch nicht dem Kampf gegen den IS, sondern spielte eben diesen Terroristen in die Hände. Die machten im Nordirak gemeinsam mit den Kurden blühende Geschäfte mit dem dort geklauten Öl. Beide, kurdische Separatisten und islamistische Terroristen, verscherbelten es mithilfe des NATO-Mitglieds Türkei. (...)

„Seit dem Anfang der gemeinsamen Offensive des islamischen Emirats (damit gemeint ist der IS, die Verfasser) und der regionalen Regierung von Kurdistan hatte sich letztere der Ölfelder von Kirkuk bemächtigt und damit die Oberfläche ihrer Zuständigkeit illegal um 40 Prozent vergrößert. Obwohl die irakische Bundesregierung in den Vereinigten Staaten einen Prozess wegen der Vermarktung des von der regionalen Regierung von Kurdistan gestohlenen Öls eingeleitet hat, vermarktet diese weiterhin die gesamte Produktion in dem Hafen Ceyhan (Türkei) zum internationalen Preis (83 US-Dollar pro Barrel), manchmal mit einem leichten Rabatt (in diesem Fall 75 Dollar das Fass)“ (11).

Aus der Tagesschau sind solche wesentlichen Informationen nicht zu beziehen, schon gar nicht eine kritische Betrachtung der Kurden und ihrer willigen Kumpanei mit CIA und IS.

Damit wären wir nun à jour. Die Symbiose von Politik und Medien ist vital und umfassend: Tagesschau-Qualitätsjournalist kollaboriert mit imperialem Attentäter Donald Trump, mit einer nichtssagenden Kanzlerin Angela Merkel, einem „Minister für strategische Ideenlosigkeit“ Heiko Maas (12) und einer infantil-vorlauten Kriegsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die hatte noch am 5. Januar getönt, die Bundeswehr habe im Irak präsent zu bleiben (13). Die Systematik der Kollaboration der Medien mit der Regierung: Täuschung, Ablenkung vom Wesentlichen, Unvollständigkeit, Verharmlosung. Klassisch ist diesbezüglich die Berichterstattung über Soleimanis Ermordung in der 20-Uhr-Tagesschau vom 3. Januar (14).

Journalistische Schleiertänze

Während weltweit Furcht vor dem Abgleiten in einen weiteren großen Nahostkrieg oder gar den III. Weltkrieg wächst (15, 16, 17) und viele Kommentatoren die Ermordung Soleimanis als Anfang vom Ende des US-amerikanischen Imperiums sehen (18), hält es die ARD nicht einmal für nötig, einen „Brennpunkt“ im Anschluss an die Tagesschau anzubieten. Ein Blick auf die Themenliste für Informationssendungen in diesem Format (19) lehrt uns, dass den Chefredakteuren und der ARD-aktuell-Redaktion ganz offenkundig die Maßstäbe dafür fehlen, welche Weltereignisse einer ausführlicheren analytischen und erklärenden Berichterstattung bedürfen.

Unfähigkeit oder gar böser Wille? Die Wortwahl spricht Bände.

„Bei einem US-Raketenangriff nahe dem Flughafen von Bagdad ist einer der hochrangigsten (sic!) iranischen Generale getötet worden“ (20a).

Im Passiv Perfekt — „... ist getötet worden ...“ — braucht man keinen Täter zu nennen. Lieber beschönigt die Redaktion der Tagesschau in grottenschlechtem Deutsch ein Attentat, das den Straftatbestand des Mordes erfüllt und nach dem Völkerstrafrecht als „extralegale Hinrichtung“ zu verurteilen wäre. Vollends zur Verschleierung des Mordes und zur Tarnung des Mörders gebrauchte die Redaktion auch diese pflaumenweich-neutrale Formulierung:

„Der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, Kassem Soleimani, kam bei einem US-Raketenangriff in Bagdad ums Leben“ (20b).

Der heimtückische Angriff auf den iranischen Generalmajor und seine neun Begleiter in einem Drittland war im Verständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kein weltbewegender Mord, sondern wieder mal ganz schlicht eine „Tötung”. Der Tageschau-„Faktenfinder“ schwadronierte da gar über „solche Einsätze” und „riskante Entscheidungen” (21).

„Einfach ‚tot’, oder ermordet?“, fragt das Züricher Magazin Infosperber und begründet die Frage treffend:

„‚Tötung’ oder ‚Mord’ und ‚Ermordung’, der Sprachgebrauch deckt auf, welche Medien nicht im Klartext informieren, wenn es um die befreundeten USA geht“ (22).

(...)

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Hier ein Beispiel vom Spiegel, dargestellt von Thomas Röper:

Der Spiegel zitiert eine Erklärung des iranischen Präsidenten über die Angriffe auf die saudische Raffinerie. Leider zitiert er sie nicht vollständig, sodass sie einen völlig anderen Eindruck erweckt.

Bei Spiegel-Online kann man über die Erklärung des Iran lesen:

„Irans Präsident Hassan Rohani hat die jüngsten Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien als eine „Warnung“ an die Regierung in Riad bezeichnet. Saudi-Arabien solle daraus „Lehren“ ziehen. Die Jemeniten hätten das legitime Recht, sich gegen die Vernichtung ihres Landes zu wehren – und als Warnung auch industrielle Ziele anzugreifen, sagte Rohani in Teheran. „Diese Warnungen sollten ernst genommen und das Kriegsfeuer in Jemen sollte ein für allemal gelöscht werden.““

Tatsächlich lautete diese Passage aus der Erklärung des iranischen Präsidenten folgendermaßen:

„Der Jemen hat seine Reaktion gezeigt und einen Schlag gegen ein konkretes Ziel ausgeführt, nicht gegen Krankenhäuser. Sie haben keine Schule und keinen Markt in Sanaa angegriffen, sondern ein Industrieobjekt, um Euch zu warnen.“

Es verwundert kaum, dass der Spiegel die Erklärung nicht komplett zitiert hat, denn dass Saudi-Arabien mit Unterstützung der USA immer wieder zivile Ziele in der jemenitischen Stadt Sanaa bombardiert, ist zwar kein Geheimnis, wird von den deutschen Medien aber nur ungern gemeldet. Hätte der Spiegel die Erklärung des iranischen Präsidenten Rohani komplett zitiert, hätte der eine oder andere Leser denken können „so unrecht hat er auch wieder nicht“.