Medien

Norbert Häring: Dossier zu Propaganda und Zensur

Studie: Die Talkshow-Gesellschaft. Repräsentation und Pluralismus in öffentlich-rechtlichen Polit-Talkshows (PDF)  
NDS:
Politische Talkshows erreichen Woche für Woche ein Millionenpublikum. Während der „ersten Welle“ der Corona-Pandemie nahm die Reichweite mancher Gesprächsformate von ARD und ZDF um weitere 30 Prozent zu. Gleichzeitig stehen diese Sendungen für die Art
von medialem Diskurs, durch die sich eine gesellschaftliche Minderheit nicht (mehr) repräsentiert fühlt und seinen VertreterInnen mitunter zunehmend aggressiv
gegenübertritt, zuletzt zu beobachten auf den Demonstrationen gegen die Corona-Politik.
Diese Entfremdung von Medien ist eine Distanzierung von einer zentralen Vermittlungsinstanz unserer pluralistischen Gesellschaft. In dieser Studie wird dieses Phänomen als Symptom einer „Krise der Repräsentation“ verstanden, die als Diagnose zeitgenössischer Demokratieherausforderungen überzeugender erscheint als eine systemische „Krise der Demokratie“. Die Studie untersucht, wie es um die Repräsentation gesellschaftlicher Bereiche und politischer Ebenen in öffentlich-rechtlichen Talkshows
bestellt ist. Pointiert lautet die Forschungsfrage: Wer spricht für wen? Untersucht wurden die Gästelisten und Themen von 1.208 Sendungen über einen Zeitraum von drei Jahren (März 2017 – März 2020), plus der Sendungen aus der Hochphase der Corona-Pandemie (04. März – 24. April). Der Fokus der Analyse liegt auf den „Big 4“ der Talkshow-Landschaft (Anne Will, hart aber fair, Maischberger und Maybrit Illner), für punktuelle Vergleiche wurden außerdem Markus Lanz und die Phoenix Runde ausgewertet
(…) Fazit: Talkshows können freilich nicht die ganze Bandbreite relevanter Stimmen zu einem Thema zu Wort kommen lassen. Überraschend ist allerdings: Besonders niedrig ist
die Talkshow-Präsenz von Organisationen, die besonders hohes Vertrauen in der Gesellschaft genießen (z.B. Verbraucherschutz, NGOs, Gewerkschaften). Gleichzeitig wird die Realität des politischen Mehrebenensystems nur unzureichend abgebildet, worunter insbesondere die Wertschätzung der kommunalen und europäischen Ebene leiden könnte. Basierend auf den Ergebnissen identifiziert die Studie Handlungspotenziale um Vertrauen zu stärken, lösungsorientierter zu debattieren und den politischen Blickwinkel zu weiten…

 

Albrecht Müller: Was war am Samstag los in Berlin? Wenn man sich auf Berichte und Kommentare unserer Hauptmedien und der Politiker verlässt, bekommt man ein falsches Bild
Die Medien und die Zeitungen sind voll von Berichten über den „Sturm“ von Rechtsradikalen auf die Treppe des Reichstags. Bis hinauf zum Bundespräsidenten äußern sich die verantwortlichen Politiker dazu empört. Das bestimmt das Bild und dieses Bild bildet die Vorgänge um die Demonstration der Querdenker weder fair noch korrekt ab. Deshalb müssen die NachDenkSeiten ein paar Gegengewichte setzen. Wir verlinken deshalb symbolhaft und beispielhaft auf eine der Reden bei der Hauptkundgebung, auf die Rede des Ex-Fußballnationalspielers Thomas Berthold und auf ein Video von RT Deutsch mit Stimmen zum Geschehen. Wenn Sie diese beiden Videos anschauen, haben Sie einen korrekteren Eindruck als beim Konsum deutscher Medien. Was diese so geschrieben haben, berichten wir im Teil A. In Teil B sind die Äußerungen maßgeblicher Politikerinnen und Politiker zusammengestellt, in Teil C verlinken wir auf ein Interview mit Sucharit Bhakdi und Karina Reiß in der Fuldaer Zeitung.

Dass ich mal nach Fulda pilgern muss, um etwas Pluralität in der deutschen Medienlandschaft einzufangen, hätte ich mir in schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Das ist ebenso erstaunlich wie die Tatsache, dass wir inzwischen auf ein russisches Medium wie RT Deutsch angewiesen sind, um einigermaßen korrekte Berichte zum Zeitgeschehen zu erhalten. Auch hätte ich nicht geglaubt, dass ich das Wort Gleichschaltung unserer Medien vom Spiegel bis zum Neuen Deutschland einmal ohne Gänsefüßchen gebrauchen muss. (...)

 

Gabriela Uhde: Warum wir den Vorwurf „Lügenpresse“ ernst nehmen sollten.
„Die Journalistin Gabriela Uhde hat aus Anlass des Demonstrationsgeschehens und des Umgangs unserer Medien damit einen Kommentar für die NachDenkSeiten geschrieben, den wir Ihnen zum Abschluss des Demonstrationswochenendes und zur Einstimmung auf viele Berichterstattungen und Kommentierungen des Geschehens gerne zur Kenntnis geben.“ (Albrecht Müller).  Siehe auch: Lesefrüchte August 2020

 

NDS Hinweise (19.08.20): Forscher bescheinigen ARD und ZDF „Tunnelblick“ während Corona-Krise
Medienwissenschaftler untersuchen die Corona-Berichte von ARD und ZDF. Es werde nicht genug differenziert, ein „Tunnelblick“ entsteht. Die Sender wehren sich.
ARD und ZDF haben nach Ansicht von Wissenschaftlern in den ersten Monaten der Corona-Pandemie mit ihren Sendungen einen massenmedialen „Tunnelblick“ erzeugt. „Sondersendungen wurden zum Normalfall und gesellschaftlich relevante Themen jenseits von Covid-19 ausgeblendet: Es war eine Verengung der Welt“, sagte der Medienforscher Dennis Gräf vom Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Passau dem Evangelischen Pressedienst (epd)…
Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass Journalismus differenzierter sein und Maßnahmen in der Corona-Pandemie auch grundsätzlich hinterfragen müsse. Dies sei in den Beiträgen der Öffentlich-Rechtlichen aber nicht geschehen, resümierten sie…
Nach Angaben der Medienwissenschaftler Gräf und Hennig vermittelte schon die Häufigkeit der Sondersendungen Zuschauern ein permanentes Krisen- und Bedrohungsszenario. Die Inhalte hätten dies noch verstärkt: Fußgängerzonen ohne Fußgänger seien gezeigt worden, leere Geschäfte, begleitet von Spekulationen über eine langanhaltende Krise, die aber noch gar nicht da sei. „Solche Bilder kennen wir aus Endzeiterzählungen und Zombiegeschichten“, sagte Gräf…
Quelle: Tagespiegel
Anmerkung Albrecht Müller: Diese Forschungsergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen und vermutlich mit der Erfahrung der meisten betroffenen Menschen. 

 

Jens Berger: Wenn Streiflichter irrlichtern – SZ vs. NachDenkSeiten am Beispiel der Causa „Joshua Wong“
Der Artikel ist ein Lehrstück zum Thema Manipulation durch verschweigen:

Zitat:

Bei der Gegenüberstellung geht es um folgende zwei Artikel:
„Das Gesicht des Konflikts“ in der Süddeutschen Zeitung
„Hongkong-Held“ oder US-Marionette? auf den NachDenkSeiten
Interessant ist beim direkten Vergleich vor allem, was die Süddeutsche nicht schreibt. So werden im Artikel weder die zahlreichen Treffen des Aktivisten Wong mit namhaften Politikern aus den USA erwähnt, noch die Zusammenarbeit Wongs und der von ihm mitgegründeten Gruppen mit Think Tanks, die in enger Koordination mit der US-Regierung die Interessen der USA in anderen Ländern vertreten und dabei vor allem auf die sogenannte „Zivilgesellschaft“ setzen. Dass dies keine Erfindungen der NachDenkSeiten sind, zeigen die Quellen. Bei den meisten Quellen, die im Artikel der NachDenkSeiten angeführt werden, handelt es sich um sogenannte Primärquellen – also direkte Aussagen und Verlautbarungen der genannten Personen und Organisationen, wie beispielsweise Pressemeldungen und Tweets des rechten US-Senators Marco Rubio oder Berichte und Videos der genannten Think Tanks. Anders als die Süddeutsche Zeitung nennen und verlinken die NachDenkSeiten diese Quellen wenn möglich transparent, so dass die Leser sich selbst ihr Urteil über die Seriosität der Aussagen machen können. Die Süddeutsche hält dies offenbar für unnötig.


Jens Berger: „Krankenhäuser schließen – Leben retten?“ – Öffentlich-rechtlicher Kampagnenjournalismus zur besten Sendezeit.  (Der Artikel wird auf der Seite Privatisierung unter anderem Gesichtpunkt beschrieben.)

Zitat:
Die Bertelsmann Stiftung ist dafür bekannt, unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Objektivität Studien zu erstellen, die stets zu dem Ergebnis kommen, dass staatliche oder öffentliche Aufgaben im Sinne der Allgemeinheit privatisiert werden sollten. So kann es auch nicht wirklich verwundern, dass eine aktuelle Studie dieser Stiftung mit fragwürdigen Mitteln den radikalen Abbau meist öffentlicher Kliniken empfiehlt. Nur 600 der heute 1.600 Krankenhäuser sollen diesen Kahlschlag überleben. Eine steile These, die man kritisch hinterfragen müsste. Bemerkenswert ist jedoch, dass die ARD die Veröffentlichung der Studie mit einer unglaublich einseitigen „Dokumentation“ begleitet, die dann auch noch zur besten Sendezeit um 20.15 ausgestrahlt wird. Das ist Kampagnenjournalismus in seiner schlimmsten Form. 

Albrecht Müller von den NDS schreibt:
„ARD-Presseclub perfektioniert eine Methode der Manipulation“ 
Ein kurzes Zitat daraus:

„Wenn Sie die Botschaft unter die Leute bringen wollen, beim gegenwärtigen Konflikt im Nahen Osten sei der Iran der Schurke, dann müssen Sie dafür sorgen, dass alle Teilnehmer einer Gesprächsrunde diese Botschaft vertreten. Wenn Sie unter die Leute bringen wollen, das Renteneintrittsalter liege viel zu niedrig, es müsse auf 67 oder gar 70 Jahre erhöht werden, dann müssen Sie eine Journalistenrunde zusammenholen, die einhellig diese These vertritt. Beides hat der ARD-Presseclub geschafft.“ 

Von Tobial Riegel in den NDS ist ein wichtiger Artikel über aktuelle Spaltungsversuche zwecks Ablenkung vom Hauptproblem, nämlich der Spaltung zwischen Arm und Reich. „Alle gegen Alle“, aber bloß nicht: „Arm gegen Reich“ – Wie manche Medien die Gesellschaft aufteilen

Wer noch glaubt, ARD und ZDF, insbesondere Claus Kleber betreibe keine Kriegshetze, soll sich mal diesen Zusammenschnitt verschiedener Kleber-Auftritte ansehen.