Militär und Klima Antikriegstag 31.8.2019 Tü Holzmarkt 12.00

                                 

Militär und Klima

Ob Klimawandel, Flüchtlingskrise, allumfassende Umweltzerstörung oder das Wirtschaftssystem insgesamt – die Rolle, die Militär und Krieg dabei spielen,

wird meist als Tabu behandelt und möglichst ausgeklammert.

Das unfassbare Zerstörungspotential der stattfindenden Kriege und der Kriege in Vorbereitung, dahinter die mächtige Rüstungsindustrie und der weltweite, sehr oft korrupte Waffenhandel sind in den Medien kaum oder viel zu wenig präsent.

Greta Thunberg hat es schon im März in die Welt getragen:

(zitiere Rainer Rupp aus der Neuen Rheinischen Zeitung http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25786)

„Sie hat … die modernen Kriege des Wertewestens, insbesondere der USA, als größte Gefahr für die Umwelt und das Klima identifiziert.

Von allen Umweltverschmutzern sei das Pentagon mit seinem riesigen, über die ganze Welt hinweg operierenden Militärapparat der mit Abstand größte Übeltäter. ….
Für Greta sind Kriege die Aktionen des Menschen, welche die Umwelt am meisten zerstören, mehr, als man sich überhaupt vorstellen kann. Sie vergiften die Luft, die Gewässer und den Boden, erst recht, wenn abgereichertes Uran eingesetzt wird. Kriege zerstören die Ressourcen der Menschen und fügen den Menschen selbst unvorstellbares Leid zu, und zwar jetzt, aktuell, und nicht erst möglicherweise in 30 oder 50 Jahren.

Und erschwerend kommt laut Greta hinzu, „dass die Drohungen und die Bereitschaft der USA, Atomwaffen gegen andere Länder einzusetzen, die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches erhöht, dass eine "nukleare Erwärmung" lange vor der CO2-Erwärmung das Leben auf unserem Planeten unmöglich macht.“

Auch eine neue britische Studie, erstellt in unserer Partnerstadt Durham, veröffentlichte ihre Erkenntnisse im Mai 2019, wonach der CO2-Fußabdruck des US-Militärs riesig ist!

(26. 6. 2019, Yannick Wiget, Dino Caracciolo, Basler Zeitung https://www.bazonline.ch/wissen/natur/das-us-militaer-verschmutzt-die-umwelt-staerker-als-140-laender/story/23828059

und https://www.nachdenkseiten.de/?p=37010)

Es gibt ca.

- 1000 US-Militärstützpunkte im Ausland --> in 70 Ländern,

(zum Vergleich: 25 russische in 10 Ländern, davon 9 ehem. Sowjetrepubliken) 19 davon (Stand 2014) in Deutschland, 2 direkt vor unserer Haustür: Stuttgart EUCOM und AFRICOM, Airbase Ramstein, durch die Deutschland sich mitschuldig macht an den Drohnenkriegen, Atombombenlager in Büchel -

- zahlreiche offizielle Einsätze und verdeckte Operationen: …

Das US-Militär ist global präsent. Es gibt kaum einen wichtigen Konflikt, an dem es nicht in irgendeiner Weise beteiligt ist. Das kostet viel Geld und ist mit einem gewaltigen logistischen Aufwand verbunden. Die USA haben mit 700 Mrd. Dollar das mit Abstand größte Militärbudget der Welt. Fast die Hälfte der Ausgaben verschlingt der Unterhalt der Infrastruktur - wohlgemerkt, auch in „Friedenszeiten“! (Um die Operationen rund um den Globus zu versorgen, sind...) Containerschiffe, Frachtflugzeuge und Lastwagen usw. sind permanent im Einsatz – und verbrauchen Unmengen an Treibstoff. Der CO2-Ausstoss des US-Militärs ist deshalb enorm. Es verbraucht pro Jahr mehr Brennstoffe und verursacht mehr Treibhausgase als die meisten mittelgroßen Länder.

Wäre es selbst ein Land, würde es auf Platz 52 der größten Verschmutzer durch flüssigen Treibstoffverbrauch liegen – direkt hinter der Schweiz und vor mehr als 140 anderen Staaten.... wie Schweden, Portugal.

Die US-Armee ist demnach «einer der größten Umweltsünder der Geschichte». So die Autoren der Studie.

.…

Dabei ist der Ausstoß des amerikanischen Militärs nicht in den gut 2 Millionen Kilotonnen enthalten, welche die Weltbank für die USA ausweist. Denn die USA bestanden 1997 bei Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls auf eine Ausnahmeregelung für militärische Emissionen.

(2015 wurde die Regelung eigentlich durch das Pariser Klimaabkommen aufgehoben. Doch der aktuelle US-Präsident Donald Trump kündigte dieses bekanntlich auf.)

Rechnen wir alle Militärausgaben der Welt zusammen, ergibt sich für den per se schon unfassbar zerstörerischen Militärkomplex weltweit eine gigantische Größenordnung in Bezug auf CO2-Ausstoss und Umweltzerstörung, sowie auf finanzielle Mittel, mit denen wir gute Chancen hätten, die Lage des Planeten zu verbessern, die Katastrophe vielleicht aufzuhalten.

Machen wir uns klar: selbst wenn wir in Deutschland es schaffen sollten, unseren CO2-Ausstoß auf Null zu senken, werden wir den Klimawandel damit allein nicht aufhalten.

D.h.: Es wird umso wichtiger, zu lernen, jede, wirklich jede Form von zerstörerischem Umgang mit der Erde zu vermeiden, mit der Natur zu leben, anstatt sie zu bekämpfen, (Geo-Engineering, Atombomben gegen hurricans), auch lernen, das was uns zum Leben bleibt, zu teilen, achtsam damit umzugehen, anstatt uns darum in Ressourcenkriegen, selbst um Wasser, mit gigantischem militärischem Aufwand zu bekriegen.

Es wird umso wichtiger, die Räume, die zum Über-leben bleiben, nicht auch noch zu zerstören, durch Kriege und unkontrollierbare Radioaktivität unbewohnbar zu machen und zu vergiften,

es wird umso wichtiger, sie fürs Überleben aller dazugehörenden Tier- und Pflanzenarten zu schützen, anstatt sie durch unsere Lebensweise auszurotten.

 

Aber was können wir tun? - Um diesen riesigen Machtapparat einzuschränken, am

besten abzuschaffen?

1. Informationen: Es ist unerlässlich, Informationen über die wirklichen Klimazerstörer nicht zu verdrängen und nicht wegzuschauen, sondern sie aufzunehmen und weiter zu verbreiten und entsprechend zu handeln.

Dabei können wir uns nicht, wie inzwischen jeder weiß, auf die gängigen Hauptmedien verlassen, sondern müssen auch verlässlichen und investigativen Journalismus heranziehen, wie z.B. die Nachdenkseiten.

Die Verantwortung der Medien spielt hier eine große Rolle und wäre ein eigenes Thema.

2. Wir können zur Rettung des Klimas unser tägliches Leben verändern, wie Flugreisen, Autofahrten usw. vermeiden, wir können den Fleischkonsum drosseln,

wir können mit Gift behandelte Lebensmittel, in Plastik Verpacktes meiden

und einfach auch viel weniger konsumieren.

- sozusagen Rohstoffkriege überflüssig machen, Co2-Ausstoss verringern.

3. Darüber hinaus ist es auch wichtig, uns an Aktionen (wie dieser) zu beteiligen,

uns in großer Zahl zu zeigen, die Mächtigen in ihrem Größenwahn verunsichern,

ihnen ein Meinungsbild von unserer tatsächlichen Mehrheit vermitteln

und dieses zum Ausdruck bringen:

. Wir wollen keine Rüstungsproduktion, und

. keine Rüstungsexporte, die anderen Ländern Kriege bescheren,

. wir wollen keine Kriegseinsätze im Ausland, und wir wollen

. keine Bundeswehr, die „mitten in der Gesellschaft ankommt“.

4. Und wir können mindestens, wenn uns alles andere schwer fällt, wenigstens das tun: wir können ganz einfach keiner Kriegspartei unsere Stimme geben, d.h., keiner Partei, die Kriegseinsätze, Aufrüstung, Rüstungsproduktion und Rüstungsexporte veranlaßt, befürwortet oder schweigend mitträgt, - und wir können handeln, indem wir keine ins Kriegsgeschäft verstrickte und davon profitierende Bank, keine Institution, keine Industrie unterstützen, als Kunde oder als Arbeitskraft.

 

Der Militärische Komplex hat sehr viel mit dem Zustand unserer Erde zu tun, er ist aber absolut kein Plan B für die Erde, er ist eindeutig Plan Z (wie Zerstörung) und der letzte Buchstabe im Alphabet.

Vielleicht aber gäbe es ohne diesen einen Plan P(eace) oder F oder M(enschlichkeit). Dafür brauchen wir Fridays for Future, parents and grandparents, aber auch Pacifists for Future, und die Zukunft beginnt hier, und nicht nur Freitags, sondern jeden Tag! Mindestens zum Erhalt der Menschlichkeit!

Zum Schluss noch 3 kurze Sätze von Reiner Braun, dem Co-Vorsitzenden des ipb, des internationalen Friedensbüros: https://publikumskonferenz.de/blog/2019/06/22/die-klima-killer/

Eine ernsthafte Umwelt- und Klimadebatte um drastische CO2-Reduzierungen sind ohne den militärischen CO2-Ausstoß unvollkommen und unehrlich. Klimawandel, der Militär nicht mit einschließt, ist heiße Luft. Umweltschutz heißt also Kriegs- und Militärabbau. Es ist Zeit, dieses Tabuthema in die Öffentlichkeit zu zerren und zwar bei jeder Umwelt und Friedensaktion!

G. Pastor-Fricke, Sept.2019                                       Als PDF herunterladen