Ein Standpunkt von Bernhard Meyer, 01.08.2026

Oldenburg wählt niemals Populisten!

Ich erinnere mich an einen Artikel im Internet vor der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten 2022, in dem das Wort „Populist“ oder „populistisch“ über 40-mal vorkam. Es war eine schreiend propagandistische Markierung der Bösewichte unter den Gegenkandidaten von van der Bellen. An keiner Stelle wurde erklärt, was man damit meinte. 

Bist du ein Populist? - Nein! Natürlich nicht. Ich bin anständig. Ich gehöre zu den Guten und stehe in der Gesellschaft in einer oberen Etage. 

Also: Was ist ein Populist? Offenbar etwas GANZ SCHLIMMES. Den darf man keinesfalls wählen. Du gehörst doch auch nicht zu denen, ODER ?!? Das Wort ist im eigentlichen Sinne ein Schlagwort, mit dem man jemanden niederknüppeln kann. Aber nochmal: Was bedeutet es?

„Populist“ kommt von lat. populus also: Volk. 

Stellt euch die Bevölkerungspyramide vor und nehmt die Perspektive an von den Bewohnern der oberen Stockwerke. Die schauen nach unten zum Volk, zur „breiten Bevölkerung“, mal mitleidig, mal voller Verachtung. Die da unten sind ja so ungebildet, aber wir hier oben wissen Bescheid. Die da unten sind zwar in der Mehrheit, aber wir wissen besser, wo es lang gehen sollte. Was die da unten sagen und haben wollen, ist natürlich nicht in unserem Interesse, also ist es schädlich (für uns) und manchmal richtig böse. 

Es gibt Parteien, die im Programm haben, was das dumme Volk haben will, also nennt man sie populistische Parteien und deren Anführer oder Anhänger Populisten, die allesamt (für uns) gefährliche Gedanken und Absichten hegen, nämlich andere als wir. Das Populisten-Unwesen sollte überall, wo es auftaucht, bekämpft werden. Denn für uns hier oben sind es Schädlinge. 

Und jetzt legen wir die Brille der „besseren Leute“ ab und mischen uns unters Volk. Jetzt sehen wir, was „Populist“ wirklich ist: ein Kampfbegriff, der gegen uns und unsere Interessen gerichtet ist. Auf dem Plakat sehen wir das BSW und die AfD neben der russischen Fahne und zwei Granaten im gleichen Abfalleimer. 

Wir wollen keinen Krieg, denn wir sind die ersten, die er tötet. 

Wir wollen, dass das Fernsehen und die Zeitungen auch unsere Probleme und Sorgen aufgreifen und mit uns der Regierung auf die Finger schauen, ob sie auch halten, was sie vor der Wahl versprochen haben. Und sie sollen akribisch untersuchen, wem die Gesetze nützen, die erlassen werden. Und sie sagen uns in aller Öffentlichkeit, in wessen Taschen all das Geld fließt, das die Regierung ausgibt. Über all das und mehr sollten die Medien berichten. Selbstverständlich auch die Sichtweisen derer da oben, damit wir verstehen können, worauf sie hinaus wollen. Wenn ein Amtsträger bei einer krummen Sache ertappt wird, erhebt die ganze Medienlandschaft solch ein Geschrei, dass er zurücktreten muss. Das lehrt die anderen, sich an die Regeln zu halten. 

Ich glaube, das wollen sowohl die Leute, die AfD wählen als auch die BSW-Wähler. In diesen Fragen unterscheiden wir uns von denen da oben. Deswegen schmeißen sie uns in den gleichen Korb. In anderen Fragen mögen wir uns unterscheiden. Aber wir sind nicht irgendwer. Auch wir sind das Volk. Sie dürfen uns nicht ausgrenzen. Und wir distanzieren uns auch nicht dauernd von irgendwem, der in manchen Dingen anders tickt als wir.

Ergänzung vom 27.08.2026: 
Im Standpunkt weiter oben führe ich eine Liste mit weiteren Punkten auf, an denen wir gemeinsam gegen den starren Block der Altparteien an mehreren Stricken ziehen könnten — trotz einer Reihe von Gegensätzen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, die uns von der AfD trennen. Aber die lebensgefährliche antirussische Kriegspolitik der Altparteien zwingt uns zum gemeinsamen Widerstand.