Lesefrüchte

August 2025

 

Hier sammeln wir Artikel, die auch über den Tag hinaus interessant sind und zitieren Auszüge. Um die Übersichtlichkeit zu erhalten, verschieben wir ältere Empfehlungen ins „Archiv“.

 


Lesefrüchte im vergangenen Monat    
Roberto De Lapuente: Zero Covid, Zero Russia, Zero AfD – verbieten als ...
Larry C. Johnson:
Die NATO-Erweiterung
Vladimir Putin: Statement bei der Pressekonferenz am 15. 08. 2025 in Alaska
Peter Hänseler:
Völkermord als «Selbstverteidigung»
Frederick Broßart: Auf eine Friedensdemo gehen, die von Querdenkern organisiert ...


 

Roberto De Lapuente: Zero Covid, Zero Russia, Zero AfD – verbieten als Identitätsstörung

Das AfD-Verbot ist aus dem Sommerloch zurück. Mancher sieht gute Chancen, der Partei ein Ende zu bereiten. Und was geschieht dann? So weit denkt der Shitbürger nicht.

Woran erkennt man, dass die Sommerpause ein Ende hat? Richtig! Man spricht wieder über die AfD – und auch die Demokratierettung ist aus dem Urlaub zurück. Daher häufen sich jetzt wieder solche Beiträge, die sich mit einem Verbot jener Partei befassen. Unter anderem führt man einen CDU-Hinterbänkler an, der sich für ein solches Verbot einsetzt, nach allem, was er von der AfD sehe und höre, so lässt sich der Mann zitieren, führe »kein Weg an einem Verbot vorbei«. Er beurteile das nicht juristisch oder politikwissenschaftlich, fügt der Christdemokrat dann noch dezidiert hinzu, »sondern aus Sicht eines Parlamentariers und Familienvaters«. Bei so viel Expertise, weiß man auch nichts mehr einzuwenden.

Sein Statement ist bezeichnend. Denn es zeigt ziemlich eindeutig auf, dass es bei vielen, die ein Verbot fordern, um ein diffuses Gefühl geht – und nicht um objektivierbare Ansätze. Das Bauchgefühl rät zur Forcierung des Verbotes. Nicht wenige Staatsrechtler sehen in der Tat kaum Möglichkeiten, ein solches Verbot zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.  (...)

Roberto De Lapuente erörtert die Schwierigkeiten eines Verbotsverfahrens u.a. anhand solcher Verfahren in der Vergangenheit und fragt, wie wohl die bisherigen AfD-Wähler reagieren könnten. Das ist nicht uninteresssant, aber hier soll es um die geistige Verfasstheit einer Gesellschaft gehen, die uns immer wieder verblüfft die Augen reiben lässt.

Covid besiegen, Russland besiegen, AfD besiegen: Denken in engen Grenzen 
Mein Gott, was ist nur mit diesem Shitbürgertum los? Strategisches Denken kennt es gar nicht mehr, es zeigt sich durch und durch radikal, will überall alles mitsamt der Wurzel ausreißen, auch wenn es zum Schaden aller ist – denn fiat iustitia et pereat mundus, wie der Lateiner sagt. Das ist der Wahlspruch dieser Leute, zu Deutsch: Es soll Gerechtigkeit geschehen – und gehe die Welt darüber zugrunde. So eine Haltung kann sich ein Marvel-Superheld in einem Hollywood-Film leisten oder ein Kindergartenkind oder auch jemand, der mit einem Suizid liebäugelt. Aber doch nicht Menschen, die vorgeben, die Belange der Gesellschaft steuern zu wollen! Dennoch agiert der Shitbürger genau auf diese Weise – er sagt noch nicht mal: Nach mir die Sintflut. Nein, er nimt die Katastrophe nicht später in Kauf, er duldet sie auch jetzt sofort. Er denkt sich: Und wenn die Sintflut mich auch erfasst, dann macht das nichts – Hauptsache ich habe der Gerechtigkeit Dienst getan. Er ist ein Eiferer, blind im heiligen Zorn – sein strategisches Konzept ist kurzsichtig, er will einen lästigen Konkurrenten loswerden. Was danach folgt: Egal, soll die Welt den Bach runtergehen …

Ohne Rücksicht auf Verluste hatte man sich den Kampf gegen Covid verschrieben. Zero Covid – das war das Stichwort. Für dieses Ziel ordnete der Maskenshitbürger alles unter: Totaler Lockdown, radikale Kontaktbeschränkungen, Einschluss wenn nötig und – wenn es gar nicht anders geht – ein Respirationsverbot im öffentlichen Raum nach 20 Uhr. Er kannte nur ein Ziel: Die Eliminierung des Virus – der totale Sieg! Dann kam Russland und es wurde wie der Virus behandelt, den man kurz zuvor noch ausmerzen wollte. Zero-Russia-Strategie: Ganz gleich, was es kostet, whatever it takes. Und siehe da: Die Sintflut kommt nicht nach uns – wir baden in ihr und saufen langsam in ihr ab. Aber Hauptsache man war moralisch genug, das Richtige zu tun – wertebasiert halt. Sicher, die Wirtschaft darbt, die Leute leiden unter Kosten, die sie nur noch ächzend tragen können: Aber fühlt es sich nicht grandios an, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, auch wenn es die Seite der gesellschaftlichen Verarmung ist?

Nun also die AfD: Sie muss besiegt und ruiniert werden, wie das Virus, wie Russland, wie demnächst was ganz Anderes, das der Shitbürger dann der Ausrottung überantworten möchte – irgendein Feindbild hat er immer. Braucht er auch, er ist nichts ohne sein Feindbild; erst an ihm nimmt er sich selbst wahr. Am Du wird er zum Ich, um Martin Buber zu bemühen. Der Theologe meinte es freilich anders. Die Shitbürger-Existenz ist eine Identitätsstörung, die einen Feind braucht, um mit sich selbst Frieden machen zu können. Das ist der Schoß seiner Radikalität, die dann alles total und totalitär besiegen möchte, was gerade das Feindbild der Stunde ist – nur so spürt sich der Shitbürger noch. Die engen Grenzen seines Denkens lassen gesamtgesellschaftliche Betrachtungen gar nicht zu – sein politischer Kampf dient nicht der Allgemeinheit, sondern seinem Innenleben. Daher kümmern ihn auch nicht die Folgen, die Partei von 10 Millionen Wählern verbieten zu wollen. Wenn das einen Bürgerkrieg heraufdämmern lässt, so glaubt er, dann sei das nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu begrüßen, denn das würde beweisen, was für Faschos diese AfD-Wähler tatsächlich sind.

Es ist nur noch wenig Monat übrig, deshalb werden wir diese Lesefrucht in den September hinüberretten. 


 

Larry C. Johnson: Die NATO-Erweiterung — die eigentliche Ursache des Krieges in der Ukraine

(...) Russland möchte, dass der Westen die Grundursachen angeht. Ok, aber was sind das für Ursachen? Ich denke, das ist ziemlich einfach – lesen Sie den Vertragsentwurf, den Wladimir Putin Joe Biden im Dezember 2021 vorgelegt hat, dann werden Sie es verstehen. Um Ihnen das Lesen des gesamten Dokuments zu ersparen (ich habe es im nächsten Absatz verlinkt), fasse ich die wichtigsten Punkte zusammen:

Der Entwurf des „Vertrags zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Russischen Föderation über Sicherheitsgarantien”, den Russland Biden im Dezember 2021 vorgelegt hat, enthält eine Reihe weitreichender Sicherheitsforderungen, die Russlands Absicht widerspiegeln, die Sicherheitsarchitektur in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges neu zu gestalten. Hier sind die wichtigsten Punkte aus dem veröffentlichten Text:

1   Keine weitere Erweiterung der NATO
• Die USA würden sich verpflichten, eine weitere Erweiterung der NATO zu verhindern, insbesondere den Beitritt der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken zum Bündnis.
• Dazu gehörte auch ein Verbot militärischer Aktivitäten der NATO in der Ukraine, Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien.

2   Kein Einsatz von US-Streitkräften oder Waffen in bestimmten Ländern
• Der Vertrag würde den USA den Einsatz von Streitkräften oder Waffen in Ländern verbieten, die nach Mai 1997 der NATO beigetreten sind (wie Polen, die baltischen Staaten, Rumänien und andere).
• Die NATO-Infrastruktur müsste auf Standorte vor 1997 zurückgeführt werden.

3   Verbot von Mittelstreckenraketen
• Sowohl Russland als auch den USA wäre es untersagt, bodengestützte Mittelstreckenraketen und Raketen mit kürzerer Reichweite außerhalb ihres Staatsgebiets sowie in Gebieten ihres eigenen Staatsgebiets zu stationieren, von denen aus solche Raketen das Gebiet der anderen Seite treffen könnten.

4   Begrenzung militärischer Manöver und Aktivitäten
• Beschränkungen für den Einsatz von schweren Bombern und Überwasserkriegsschiffen: Beide Seiten würden den Einsatz von schweren Bombern und Kriegsschiffen in Gebieten einschränken, von denen aus sie Ziele auf dem Territorium der anderen Seite treffen könnten. (Anmerkung: Im September 2020 genehmigte Trumps Verteidigungsministerium einen Flug einer B-52 entlang der ukrainischen Küste im Schwarzen Meer.)

5   Beschränkungen für Atomwaffen
• Alle Atomwaffen würden auf das eigene Staatsgebiet beschränkt. Keine Seite dürfte Atomwaffen außerhalb ihrer Grenzen stationieren. (Anmerkung: Die USA haben gerade eine Ladung Atomwaffen nach England geschickt.)
• Abzug aller US-Atomwaffen aus Europa und Beseitigung der bestehenden Infrastruktur für deren Stationierung im Ausland.

6   Gegenseitige Sicherheitszusage
• Jede Seite würde sich verpflichten, keine Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, die die zentralen Sicherheitsinteressen der anderen Seite untergraben könnten.

7   Einrichtung von Konsultationsmechanismen
• Zu den Vorschlägen gehörten die Erneuerung oder Stärkung direkter Konsultationsmechanismen wie des NATO–Russia Council und die Einrichtung einer Krisen-Hotline.

8   Unteilbarkeit des Sicherheitsprinzips
• Enthielt eine Bekräftigung, dass die Sicherheit eines Staates nicht auf Kosten der Sicherheit eines anderen Staates gehen darf, wodurch Russlands Interpretation des Konzepts der „unteilbaren Sicherheit” formalisiert wurde.

Anstatt mit den Russen Verhandlungen über diese Angelegenheiten aufzunehmen, sagte Bidens Außenminister Antony Blinken dem russischen Außenminister Lawrow im Wesentlichen, dass Russland den Vertrag nehmen und sich ihn in den Arsch stecken könne. So viel zur Diplomatie.

Der letzte Satz gibt nicht den Wortlaut Blinkens wieder, sondern ist Larry C. Johnsons Interpretation dessen, was und wie man Russland antwortete. 

 


 

Aus Pascal Lottaz Substack: Präsident Putin bei der Pressekonferenz in Alaska:

Transcript: Putin-Trump Press Conference
The following is the press statements that both leaders gave in Anchorage, Alaska, on August 15, 2025 after their closed-door summit meeting.

Vladimir Putin
Mr. President, ladies and gentlemen. Our negotiations have been held in a constructive atmosphere of mutual respect. We had very thorough discussions that were quite useful. I would like to thank, once again, my American counterpart for the proposal to travel out here to Alaska.

It only makes sense that we have met here, because our countries, though separated by the ocean, are close neighbors. When I arrived, I said, “Good afternoon, dear neighbor. Very good to see you in good health, and to see you alive.” I think that is very neighborly, and I believe those are some kind words we can say to each other.

We are separated by the Bering Strait, yet there are two islands—one Russian, one American—only four kilometers apart. We are indeed close neighbors, and that is a fact. It is also important that Alaska represents our common heritage and history, with many positive connections between Russia and the U.S. There is tremendous cultural heritage from Russian America—for example, Orthodox churches and more than 700 geographical names of Russian origin.

During the Second World War, it was here in Alaska that the legendary air bridge began, supplying military aircraft and other equipment under the Lend-Lease program. It was a dangerous and treacherous route over the vast emptiness of ice. However, the pilots of both countries did everything they could to bring victory closer. They risked their lives, and they gave it all for our common triumph.

Recently, I was in the city of Magadan in Russia, where there is a memorial dedicated to both Russian and U.S. pilots. Two flags fly there—the U.S. flag and the Russian flag. I know that here in Alaska, too, there is such a memorial, with a military burial site several kilometers from here, where Soviet pilots are buried who died during that dangerous mission. We are grateful to the citizens and the government of the United States for carefully preserving their memory. That is very worthy and noble.

We will always remember other historical examples when our countries defeated common enemies together in the spirit of battle camaraderie and fellowship. I am sure that this heritage will help us rebuild and foster mutually beneficial and equal ties at this new stage, even under the hardest conditions.

It is well known that there have been no summits between Russia and the U.S. for four years—a long time. Relations have fallen to the lowest point since the Cold War. That benefits neither our countries nor the world as a whole. Sooner or later, we had to amend the situation, to move on from confrontation to dialogue.

In this case, a personal meeting between the heads of state was long overdue. Naturally, this required serious and painstaking work—and this work has been done. President Trump and I have very good, direct contact. We have spoken multiple times, frankly, over the phone. His special envoy, Mr. Witkoff, traveled to Russia several times. Our advisors and foreign ministers kept in touch regularly.

As you know, one of the central issues was the situation around Ukraine. We see the effort of the administration and of President Trump personally to help facilitate a resolution of the conflict, and his determination to get to the crux of the matter, to understand its history. This is precious, because the situation in Ukraine relates to fundamental threats to our security.

Moreover, we have always considered the Ukrainian nation a brotherly nation. However strange it may sound under current conditions, we share the same roots. Everything that is happening is a tragedy for us—a terrible wound. Therefore, Russia is sincerely interested in putting an end to it.

At the same time, we are convinced that in order for the settlement to be lasting, we must eliminate the root causes of the conflict. We have said many times that all legitimate concerns of Russia must be considered, and a just balance of security reinstated in Europe and in the world as a whole. I agree with President Trump, who has said today that naturally, the security of Ukraine should be ensured as well. We are prepared to work on that.

I hope that the agreements we have reached together will help bring us closer to that goal, paving the path towards peace in Ukraine. We expect that Kyiv and European capitals will perceive this constructively, and that they will not throw a wrench into the works, nor attempt provocations to torpedo nascent progress.

Incidentally, since the new administration came to power, bilateral trade has begun to grow. It is still symbolic, but we have seen growth of 20 percent. As I said, there are many dimensions for joint work. U.S.-Russian investment and business cooperation has tremendous potential—in trade, digital technology, high-tech industries, and space exploration. Arctic cooperation is also very possible, particularly between the Russian Far East and the U.S. West Coast.

It is very important for our countries to turn the page and return to cooperation. Symbolically, not far from here, on the border between Russia and the U.S., lies the so-called International Date Line. You can literally step from yesterday into tomorrow. I hope we will succeed in doing that politically as well.

I would like to thank President Trump for our joint work, and for the well-wishing and trustworthy tone of our conversation. It is important that both sides are result-oriented. The President of the U.S. has a very clear idea of what he wants to achieve. He sincerely cares about the prosperity of his nation, and he understands that Russia has its own national interests.

I expect that today’s agreements will be the starting point not only for resolving the Ukrainian issue, but also for bringing back businesslike and pragmatic relations between Russia and the U.S.

In conclusion, I would like to add one more thing. In 2022, during my last contact with the previous administration, I tried to convince my American colleague that the situation should not be brought to the point of no return, leading to hostilities. He accepted directly back then that it was a big mistake.

Today, President Trump has said that if he had been president at that time, there would have been no war. I am quite sure that is true. I can confirm that. I believe that overall, President Trump and I have built a very good, businesslike, and trustworthy contact. We have every reason to believe that by continuing down this path, we can bring the conflict in Ukraine to an end.

Thank you.

Deutsche Übersetzung als PDF hier



 

Peter Hänseler: Völkermord als «Selbstverteidigung» - Westliche Medien als Mittäter beim Genozid in Gaza – Wir stehen auf!

Der gegenwärtige Genozid bildet den Höhepunkt einer Gewaltspirale, die sich seit 1948 dreht und von den Mächtigen im Westen seit Generationen gedeckt wird. Die Medien stellen den Genozid als Selbstverteidigung dar – dabei sind sie nichts weniger als Mittäter.

Einleitung
Dieser Artikel befasst sich mit einem mehr als unappetitlichen Thema: Einem Völkermord, der in aller Öffentlichkeit begangen und von den meisten westlichen Medien nicht nur gefördert, sondern dergestalt gerechtfertigt wird, dass Gegner dieses Genozids – seien es Juden oder Nicht-Juden – auf primitivste Weise angegriffen, verunglimpft und bedroht werden.

Gegen eine solche Übermacht anzutreten ist nicht nur schwierig, sondern geradezu gefährlich. Wir haben uns dennoch dafür entschieden, aufzustehen. Stellen Sie sich vor, wie Sie auf die Frage Ihres Enkelkindes antworten möchten, das in 20 Jahren auf Ihren Knien sitzt und fragt, «Grossvater, wie hast Du damals über die Zeit gedacht, als in aller Öffentlichkeit Babys abgeschlachtet wurden? – Warum haben alle geschwiegen? – Hast Du auch geschwiegen?»

Alles begann mit einem verlogenen Märchen
Ich wurde 1964 in Zürich geboren und seit meiner jüngsten Kindheit galt folgendes Axiom: «Die Israelis sind die Lieben und die Palästinenser sind Terroristen». Das wurde uns von den Eltern und Lehrern eingeflösst und wir sahen uns freudig bestätigt, als wir am Fernsehen mitverfolgen durften, wie unsere israelischen Helden die bösen Araber in allen Kriegen besiegten. Das Gute obsiegte, wir standen auf der richtigen Seite der Geschichte und sangen im Religionsunterricht an einem evangelischen Gymnasium hebräische Lieder.

«Die Israelis sind die Lieben und die Palästinenser sind Terroristen»

Mir war keinesfalls bewusst, dass diese Sicht der Dinge nichts mit der Wahrheit zu tun hatte. Meinen Freunden und Bekannten ging es gleich – jahrzehntelang.

Skepsis – der Stoff, aus dem die Realitäten sind
Als ich 1997 das erste Mal nach Moskau reiste, war ich mit einer Charaktereigenschaft der Russen konfrontiert, die den Westlern komplett fremd ist: Skepsis. Die Russen haben die Eigenschaft – oder besser: Fähigkeit – alles, was ihnen an Informationen verabreicht wird – sei es durch die Medien oder die Regierung – zur Kenntnis zu nehmen und statt alles zu glauben, alles zu hinterfragen.

Die Entdeckung der Skepsis prägte mich und formte mein Denken nachhaltig. Zugegeben, zu hinterfragen ist bedeutend anstrengender als zu glauben und da die meisten Menschen beinahe alles glauben, was ihnen die Eltern, Lehrer, Pfarrer, Politiker und Medien auftischen, findet man sich als Skeptiker im Westen in einer beinahe verhängnisvollen Minderheit. Dazu kommt, dass die Politik und die Medien eine «demokratische Note» in die Diskussion einbringen. Sie insinuieren, dass die Sicht der Mehrheit die Richtige sei. Dies ist kompletter Schwachsinn, aber viele glauben sogar an dieses Märchen.

In den letzten knapp 30 Jahren hatte ich somit viel nachzuholen. Das Internet half mir dabei, da einem Quellen eröffnet werden, die den Mächtigen die Kontrolle über ihre Narrative entzieht, wobei man jedoch Vorsicht walten lassen muss, da auch im Internet gelogen wird, bis sich die Balken biegen. Wendet man jedoch Skepsis an, so eröffnet einem das Internet ein Universum, wo man die Fakten zusammensuchen kann.

7. Oktober 2023 – der Anlass zur «Endlösung»
Die Blutbäder-Serie
Als am 7. Oktober 2023 die Hamas einen Angriff führte und innert Stunden von geköpften Babys und Massenvergewaltigungen durch diese Unmenschen berichtet wurde, entschieden wir uns, zuzuwarten: Wir sind kein News-Medium. Wir nahmen dieses Ereignis zum Anlass, eine Serie über Blutbäder zu schreiben.

«Die Mächtigen dieser Welt sind imstande, jedes Mittel zur Erreichung ihrer Ziele einzusetzen – jedes!»

Es ging uns darum, aufzuzeigen, dass Blutbäder – oft von den «Opfern» selbst angerichtet – regelmässig zum Anlass genommen werden, weitere, noch viel blutigere Gemetzel in Form von Kriegen zu rechtfertigen. Ganz nebenbei fiel uns dabei auf, dass das Narrativ der USA zu 9/11 auf keinen Fall stimmen konnte. Die Erkenntnisse dieser Serie kann man mit einem Satz zusammenfassen: «Die Mächtigen dieser Welt sind imstande, jedes Mittel zur Erreichung ihrer Ziele einzusetzen – jedes!». Diese Serie bildet somit eine durchaus geeignete Einführung zu einem Artikel, der sich um einen in aller Öffentlichkeit durchgeführten Genozid dreht, welcher von allen westlichen Massenmedien unterstützt, bzw. sogar als notwendig erachtet wird.

Erst im November nahmen wir uns Israel an und publizierten zwischen dem 5. November 2023 und dem 29. Dezember 2023 eine fünfteilige zum Israel-Komplex wie folgt:

In Teil 1 (1914-1948) unserer Serie über die Geschichte Israels beleuchteten wir die Zeit bis zur Staatsgründung. Eine Phase der illegalen und legalen Landnahme, in deren Ergebnis der Staat Israel einseitig, im Widerspruch zur UNO-Resolution 181 und gegen den Willen der arabischen Staaten ausgerufen wurde. Krieg vom ersten Tag an war die Folge.

Teil 2 (1948-1956) endete mit der Suez-Krise. Im Ergebnis dieses zweiten Krieges verlor Grossbritannien seine beherrschende Stellung in Nahost. Israel orientierte sich seither in allen Fragen an den USA. Ein weiteres Ergebnis war die Stationierung von UNO-Truppen an der Grenze zwischen Israel und Ägypten.

Teil 3 (1956-1973) behandelte neben dem 6-Tage-Krieg und dem Jom Kippur Krieg ein Thema, das geopolitisch kaum Beachtung findet, wenn es um Israel geht – Israels Wasserstrategie. Das erstaunt zumindest, da Israel auch in dieser Frage äusserst konsequent und ohne Rücksicht auf die Interessen seiner Nachbarstaaten vorgeht.

Teil 4 beleuchtete den Libanon-Krieg 1982. Ein Krieg, den Israel ausserhalb seines Staatsgebietes führte mit dem Ziel, die palästinensische PLO zu vernichten. Eine palästinensische Befreiungsorganisation, dessen bewaffneter Arm in den Jahren zuvor von Israel im vorausgegangenen Jom-Kippur-Krieg aus dem Westjordanland nach Jordanien vertrieben wurde und dann nach der versuchten gewaltsamen Durchsetzung politischer Forderungen in Jordanien vom jordanischen Staat nach Libanon.

Der Teil 5 umfasst den Zeitraum von 1993 bis zur Gegenwart. Wir gingen auf die Osloer Verträgen aus jenem Jahr ein, in deren Folge die PLO in der Bedeutungslosigkeit verschwand und die Hamas immer wichtiger für die Palästinenser wurde.

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte Israels und den Blutbädern war nicht nur für unsere Leser, sondern auch für mich selbst ein augenöffnendes Erlebnis. Dennoch war mir klar, dass es nicht einfach sein würde, das Weltbild, das auch mir über Jahrzehnte durch verschiedenste Agitatoren und auf verschiedensten Wegen verabreicht wurde, bei Durchschnittmenschen zu ändern, da die Meisten keine Skeptiker sind und schlicht nicht die ca. 200 Stunden aufzubringen vermögen, um das Märchen als Alptraum zu enttarnen; warum auch, wenn sich das Märchen so viel bequemer anfühlt und einem den Schlaf nicht raubt.

Hier weiterlesem

 


 

Frederick Broßart: Auf eine Friedensdemo gehen, die von Querdenkern organisiert wurde und an der auch Rechte teilnehmen - darf man das? 

In einem offenen Brief an ver.di Berlin begründet @AlexKingMdA, warum er nicht dem Aufruf zur Gegendemo gefolgt ist, sondern sich - gemeinsam mit einigen Mitgliedern der BSW-Jugend - einen eigenen Eindruck von der Friedensdemo verschafft hat: 


„Sehr geehrte Kollegen vom ver.di Bezirk Berlin, 

ich bin seit vielen Jahren Mitglied der Gewerkschaft ver.di. Als solches erreichte mich am Dienstag euer Aufruf, ich solle mich an diesem Samstag an der Demonstration "Alle zusammen gegen den Faschismus!" beteiligen. Leider musste ich feststellen: Diese Demonstration richtete sich keineswegs "gegen den Faschismus", sondern gegen eine am selben Tag stattfindende Friedensdemonstration unter dem Motto "Frieden und Freiheit". Bei der Friedensdemonstration sei mit der Teilnahme von "Neonazis, Faschist*innen und Antisemit*innen" zu rechnen und die AfD würde dort Anhänger rekrutieren, hieß es in einem von euch verschickten Aufruf zur Gegendemo. 

Ich bin nicht zu eurer Gegendemo gegangen, sondern habe mir stattdessen einen eigenen Eindruck von der Demonstration für "Frieden und Freiheit" verschafft. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Denn was ich gesehen habe, sah anders aus, als von euch beschrieben. Zwar habe ich u. a. eine Fahne der rechtsextremen "Freien Sachsen" und auch einen Zeitungsstand von "Compact" gesehen. Aber das hat die Veranstaltung nicht inhaltlich geprägt. Im Gegenteil: Vor allem waren da viele Menschen (ich bin nicht gut im Schätzen von Teilnehmerzahlen, aber ich würde sagen: im vierstelligen Bereich), die sich nach Frieden sehnen, die für Diplomatie und gegen Aufrüstung sind und die eine konsequente Aufarbeitung der Corona-Zeit fordern. Diese Ziele teile ich. Die Reden, die ich anhören konnte, u. a. von der linken Journalistin und Friedensaktivistin Christiane Reymann, zeigten eine klare antifaschistische, zutiefst menschliche Haltung. 

Von der AfD war zwar weit und breit nichts zu sehen, aber sollte sie solche Friedensdemonstrationen als Rekrutierungsfeld nutzen wollen, finde ich es erst recht sinnvoll, ebenfalls vor Ort zu sein und mit Leuten ins Gespräch zu kommen und sie von politischen Alternativen zu überzeugen. Warum sollten wir ausgerechnet einer militaristischen Partei wie der AfD, die den Wehrdienst wieder einführen und ohne Ende aufrüsten will, das Feld überlassen? Eine aktuelle Stiftung der Hans-Böckler-Stiftung bestätigt leider, dass die AfD derzeit strategisch erfolgreich in breite Teile der Bevölkerung vordringt. 

Früher waren die Gewerkschaften an der Seite derjenigen, die für den Frieden demonstriert haben. Ich habe auch heute einzelne Gewerkschaftsmitglieder getroffen. Vielleicht sagt ihr jetzt: "Ja, wir sind auch für Frieden und Diplomatie und gegen die Aufrüstung. Aber wir wollen nicht mit Rechten demonstrieren." Das wäre sogar nachvollziehbar. Nur: Wir hören von den Gewerkschaften - und leider auch von euch - keinen Mucks angesichts von Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. 

Wo war ver.di, als der Senat seinen Rahmenplan "Zivile Verteidigung Krankenhäuser" vorgestellt hat, der unsere Krankenhäuser mit Hilfe der Bundeswehr kriegstüchtig machen soll? Stattdessen demonstriert ver.di lieber gegen eine Friedensdemo, zusammen mit den Parteien (Grüne, SPD, Linke), die in Bundestag bzw. Bundesrat grünes Licht gegeben haben für die größte Aufrüstung in der Geschichte der Bundesrepublik, für Kriegskredite ohne Limit. 
Dass Aufrüstung und Faschismus miteinander zusammenhängen, seht ihr nicht. Das halte ich für zu kurz gedacht.

Freundliche Grüße“ 

Zeit für Vernunft und Gerechtigkeit! #BSW
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