Lesefrüchte
April 2026
Hier sammeln wir Artikel, die auch über den Tag hinaus interessant sind und zitieren Auszüge. Um die Übersichtlichkeit zu erhalten, verschieben wir ältere Empfehlungen ins „Archiv“.
Lesefrüchte im vergangenen Monat
Tobias Riegel: Skripal, Giftgas, Hacking, Doping –
Strategien der Spannung ...
Methoden der Manipulation: Stapel
Tobias Riegel: Skripal,
Giftgas, Hacking, Doping – Strategien der Spannung und das große Schweigen
danach
Dieser Artikel erschien am 15. Mai 2018 bei den NDS. Er schildert anschaulich eine recht wirksame Methode der Meinungsmanipulation, der wir immer wieder ausgesetzt sind. Der Artikel aus dem Jahr 2018 ist also auch heute noch aktuell und „denkwürdig“.
Bei vielen Affären in jüngerer Vergangenheit wurde durch mediale Wiederholung eine nicht von Beweisen gestützte Version der Ereignisse erzeugt. War das gewünschte Bild installiert, wurde die Berichterstattung – ohne neue Entwicklungen zu berücksichtigen – jäh abgebrochen und die erzeugte Botschaft im kollektiven Gedächtnis „geparkt“. Dort können die Kampagnen bei Bedarf jederzeit reaktiviert werden.
Es ist nur wenige Wochen her, da schien es, als sei international kein Thema bedeutsamer als ein mutmaßlicher Giftanschlag auf den in Großbritannien lebenden russischen Doppelagenten Sergej Skripal. Aufbauend auf der Medienkampagne zum Thema Skripal konnten Wirtschaftssanktionen und militärische Aggressionen gegen den angeblichen Täter Russland gefordert und wochenlang eine weltweite Atmosphäre der Spannung – und der Ablenkung – geschaffen werden.
Und dann? Kaum war die Vorverurteilung Russlands durch die Wiederholung unbelegter Anschuldigungen und die falsche Auslegung von Untersuchungsberichten medial installiert, kehrte ein plötzliches Schweigen ein, das bis heute anhält. Darum erfahren die deutschen Medienkonsumenten nicht, dass etwa die britischen Geheimdienste kürzlich einräumen mussten, dass sie keinen einzigen Verdächtigen im Fall Skripal benennen können. Zwar hatten auch deutsche Medien das Gegenteil verbreitet – aber über das Eingeständnis des britischen Nationalen Sicherheitsberaters Sir Mark Sedwill haben sie dann kein Wort verloren.
Emotionen ersetzen Erkenntnisse – Fakten werden nicht nachgereicht
Ähnlich war es bei den Sniper-Schüssen auf dem Kiewer Maidan-Platz 2014, beim Abschuss der Passagiermaschine MH17 über der Ukraine im selben Jahr und zu weiten Teilen bei den Kampagnen zum russischen Doping und Computer-Hacking: Bei allen diesen Affären wurde zunächst durch massive mediale Wiederholung eine weitgehend nicht von Beweisen, sondern Emotionen gestützte Version der Ereignisse erzeugt. War die gewünschte Botschaft installiert, wurde die Berichterstattung jäh abgebrochen und das erzeugte Bild im kollektiven Gedächtnis „geparkt“.
Wenn es dann doch Erkenntnisse gibt, die Monate später einer Medienkampagne widersprechen, werden diese oft nicht mitgeteilt. Und solche Erkenntnisse – neben dem oben geschilderten Eingeständnis zum Fall Skripal – gab es in jüngerer Vergangenheit einige, ohne dass sie eine angemessene Würdigung in den großen deutschen Medien erfahren hätten: So wurden neue Entwicklungen zum Maidan-Massaker von den Hauptmedien zu weiten Teilen verschwiegen, eine Pressekonferenz Russlands zu den angeblichen Giftgas-Angriffen im syrischen Duma nicht vermeldet, sondern hämisch verzerrt, es wurde die (nicht-russische) Herkunft des „Telekom-Hackers“ weitgehend unterschlagen und ein kürzlich veröffentlichtes Urteil des Internationalen Sportgerichts in Lausanne (CAS), das die Aussagen des russischen Doping-Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow stark relativiert, zu weiten Teilen totgeschwiegen.
(...)
Bei Bedarf werden Kampagnen wieder aufgewärmt
Die grüne EU-Abgeordnete Rebecca Harms hat diese Taktik kürzlich in Perfektion genutzt, um für einen Boykott der Fußball-WM in Russland zu trommeln:
„Der Giftgasanschlag in Salisbury ist nur das neueste Kapitel von Wladimir Putins Verhöhnung unserer europäischen Werte: willkürliche Bombenangriffe auf Schulen, Krankenhäuser und Wohngebiete in Syrien; die brutale militärische Invasion der Ukraine; systematische Hackerattacken; Desinformationskampagnen; Wahleinmischung; Versuche, die EU zu schwächen und destabilisieren – all das steht nicht auf der Visitenkarte eines guten WM Gastgebers.“
Keiner der hier gestapelten Vorwürfe kann nach ordentlichen Standards als bewiesen bezeichnet werden. Harms kann aber auf die in den Köpfen der Bürger gespeicherten Reste der einstigen Medienkampagnen zielen.
Die Strategie der intensiven emotionalen Medien-Kampagnen, die in dem Moment abgebrochen werden, in dem Fakten die selbst erzeugte Version bedrohen könnten, erfüllt somit zwei Kriterien: Sie erzeugt eine Schockstarre, während der unpopuläre Entscheidungen oder Enthüllungen kaschiert werden können. Und sie belässt die emotional aufgeladenen und unaufgeklärten Vorgänge im Hintergrund, um sie beizeiten aufzuwärmen. Es gibt jedoch Anzeichen, dass diese Art von Indoktrination ihre Wirkung verliert.
(Hervorhebung bm)
Siehe auch den Artikel vom 04.09.2025:
Tobias Riegel: Der Russe war’s! Wie sich die Sabotage-Vorwürfe stapeln (und nie richtiggestellt werden)
Das „GPS-Gate“ um das Flugzeug Ursula von der Leyens ist in sich zusammengefallen – trotzdem ist die Episode ein gutes Beispiel für die Manipulationsmethode mit den „gestapelten“ Vorwürfen. Diese schnellen Aufzählungen von „russischen Untaten“ sollen in der Summe ein bedrohliches Bild abgeben, auch wenn die einzelnen Elemente überwiegend völlig unbelegte Behauptungen sind. Möglicherweise wird also auch der „GPS-Angriff Russlands“ bald in Talkshows zwischen anderen gestapelten Behauptungen (Desinformation, Spionage, Paketbomben, Wahlmanipulation usw.) als „russische Aggression“ aufgezählt werden.
Überaus lesenswert ist in dem Zusammenhang auch dieser Artikel vom Anti-Spiegel:
Die Chronologie der Provokationen der Europäer zur Vorbereitung eines Krieges gegen Russland
Nachdem 14 europäische Staaten vor einiger Zeit gedroht haben, Handelsschiffe mit Ziel Russland zu kapern, und die Ukraine Ziele in Russland inzwischen offen über den Luftraum von EU-Staaten angreift, ist ein Blick auf die Chronologie der Ereignisse interessant, mit denen Russland offensichtlich zur Abgabe des ersten Schusses für einen Krieg mit EU-Staaten provoziert werden soll.
Weiter hinten in den Abschnitten: „Die Medienkampagne“ und „Die koordinierte Kriegshysterie der Geheimdienstchefs“ wird die Stapelmethode auch sichtbar.