Lesefrüchte

Mai 2026

 

Hier sammeln wir Artikel, die auch über den Tag hinaus interessant sind und zitieren Auszüge. Um die Übersichtlichkeit zu erhalten, verschieben wir ältere Empfehlungen ins „Archiv“.

 


Lesefrüchte im vergangenen Monat  
Globalbridge: So wurde das Ende des WKII gefeiert
 


 

Auf Globalbridge erschien am 10. Mai 2026 ein Artikel im Doppelpack 
- von Ulrich Heyden, der aus Moskau berichtete und
- von Stefano di Lorenzo aus Berlin.
Hier folgt ein längerer Auszug daraus; aber schon wegen der Fotos sollte man den ganzen Artikel bei Globalbridge aufrufen.

So wurde das Ende des WKII gefeiert – 
in Moskau von Ulrich Heyden:

Der 9. Mai in Moskau blieb friedlich. In russischen Medien gab es keine Berichte über ukrainische Drohnenattacken auf die russische Hauptstadt. Die Ankündigung von Wladimir Selenskyj am 4. Mai, während der Militärparade zum 81. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland Drohnen über den Roten Platz kreisen lassen, wurde nicht zur Realität. Offenbar bekam Selenskyj kein grünes Licht von seinen Sponsoren in Europa und den USA. Das berichtete das Magazin Forbes am 8. Mai.
(...)
Als Putin die Tribüne am Roten Platz betrat, begrüßte er zunächst die Veteranen des „Großen Vaterländischen Krieges“, wie der Zweite Weltkrieg in Russland heißt. In seiner Rede am Roten Platz erklärte Wladimir Putin, „wir werden an die Heldentat des sowjetischen Volkes, das den entscheidenden Anteil an der Niederschlagung des Nazismus hatte, immer erinnern.“ Diese Heldentat habe „das eigene Land und die Welt gerettet“, dem „totalen, erbarmungslosen Bösen ein Ende bereitet“ und den Staaten, „die vor Hitler-Deutschland kapituliert hatten“ und sich in „unterwürfige Mittäter bei den Verbrechen“ der Nazis verwandelt hatten, „die Souveränität zurückgegeben.“ (...)

Feiern in Moskauer Parks und in russischen Städten
Militärparaden und Umzüge des „Unsterbliches Regiments“, bei dem Russen mit den Porträts ihrer Vorfahren, die im Zweiten Weltkrieg kämpften, durch die Straßen ziehen, gab es in mehreren russischen Städten, so in Wladiwostok, Jekaterinburg und St. Petersburg. Ein Marsch des „Unsterblichen Regiments“ fand auch in Kirgistan statt.
In zahlreichen Moskauer Parks fanden Feiern statt. Im Gorky Park sah ich in diesem Jahr keine Veteranen des „Großen Vaterländischen Krieges“ mehr. Doch es gab Treffen von russischen Militär-Veteranen, die in den 1970er und 1980er Jahren in Angola und Kuba und in den 1990er Jahren in Tadschikistan im Einsatz waren. 

Viele Jugendliche waren in dem Park. Aber über den Krieg in der Ukraine mit ihnen zu sprechen war schwierig. In den Gesprächen merkte ich, dass die „Spezialoperation“ in der Ukraine in der Generation der über 30jährigen mehr Rückhalt hat als unter den Schulabgängern. „Wir müssen uns mehr um die patriotische Erziehung der Jugend kümmern“. Diesen Satz hörte ich am 9. Mai häufig von Erwachsenen. 

In Berlin von Stefano Lorenzo:

Alle sprachen dieses Jahr über mögliche ukrainische Angriffe auf die Siegesparade in Moskau. Am Ende blieb jedoch alles ruhig. In einem auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichten Video hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, er rate ausländischen Staatschefs davon ab, an der Parade auf dem Roten Platz teilzunehmen. Doch am Abend des 8. Mai (MEZ) kündigte unerwartet US-Präsident Donald Trump einen dreitägigen Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland an. Kurz darauf stimmte Selenskyj zu: „Heute haben wir im Rahmen des von der amerikanischen Seite vermittelten Verhandlungsprozesses die Zustimmung Russlands erhalten, einen Gefangenenaustausch im Verhältnis 1.000 zu 1.000 durchzuführen. Außerdem muss am 9., 10. und 11. Mai ein Waffenstillstand gelten.“ Es war bereits die fünfte Parade seit der jüngsten Phase des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022. Und es gab dann tatsächlich während der Parade keine Angriffe auf Moskau .

Ein heiliger Tag
Für die Russen ist der Tag des Sieges jedoch nicht nur eine weitere staatliche Zeremonie, sondern ein wahrhaft nationales Fest. So sehr, dass er bis heute von Russen auf der ganzen Welt gefeiert wird. Er hat die Symbolik eines religiösen Feiertags und die Kraft, die Nation zu vereinen. Bis vor einigen Jahren war der Tag des Sieges ein Tag, an dem die Russen offen stolz auf ihre Geschichte und ihr Land sein konnten. Seit 2022, wohl schon seit 2014, ist dies komplizierter geworden.

„Es ist ein heiliger Tag“, sagte ein Mann, der zur Gedenkfeier im Treptower Park in Berlin aus Bamberg in Bayern gefahren ist. Eine 20-köpfige Gruppe von Russlanddeutschen ist mit ihren Motorrädern aus Essen in Nordrhein-Westfalen gekommen. Sie schienen alle sehr gut gelaunt zu sein. „Es ist natürlich schlecht, dass sowjetische Symbole verboten werden. Wir müssen sie abdecken“, sagte ein Mann aus der Gruppe, ernst, aber freundlich.

Verbotene Symbolik
Berlin hat für die Russen, die den Tag des Sieges feiern, eine besondere Bedeutung. Zum einen war Berlin die Hauptstadt des feindlichen Reiches, das Slawen als „Untermenschen“ betrachtete und versuchte, das russische Volk zu vernichten. Das riesige Denkmal im Treptower Park ist ein sehr sichtbares Symbol des sowjetischen Sieges. Zweitens ist die russische Diaspora in Berlin riesig, und nicht alle russischen Emigranten wollen sich davon überzeugen lassen, dass sie ihr Land verachten müssen, wenn sie als „gute Russen“ gelten wollen. 

Am russischen Tag des Sieges in Berlin waren auch dieses Jahr russische, sowjetische und belarussische Symbole verboten. Es ist nicht das erste Mal, dass diese Regel durchgesetzt wurde. Veteranen und Diplomaten sind davon ausgenommen. Die russische Botschaft in Berlin kommentierte das Verbot in den sozialen Medien: 

„Die von Berlin unter dem Vorwand des andauernden Konflikts in der Ukraine verhängten Verbote zeichnen sich durch ihre Absurdität und ihren Zynismus aus. Tatsächlich zielen sie ausschließlich darauf ab, den Nachkommen sowjetischer Befreiungssoldaten sowie den engagierten Bürgern und Besuchern der deutschen Hauptstadt das Recht zu nehmen, den Jahrestag der Zerschlagung des Nazismus würdig zu begehen und der im Großen Vaterländischen Krieg Gefallenen zu gedenken. […] Wir betrachten die Einschränkungen Berlins als unbegründet, diskriminierend und unfreundlich. Darin sehen wir einen eklatanten Ausdruck der Missachtung des Andenkens der Gefallenen.“

Hier den ganzen Artikel mit den Fotos ansehen

 






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